Nightlife von Emily Kai Bock [04m00sec/2012]

Einsam sind sie, schön, alleine, mitten in der Nacht… Ganz einfach ist dieser Kurzfilm, der eigentlich ein Musikvideo ist. Deshalb ist er aber nicht weniger fesselnd. Die Musik stammt von Sebastien Schuller. Für die Filmemacherin Emily Kai Bock ist es nicht das erste Musikvideo. Auch für Grizzly Bears und Grimes hat sie Musikvideos gedreht. Giroplus!

Heavy Duty – Testfahrt mit dem E-Mobil


Ach was hatten wir schon Gutes über Elektroautos gehört, nur dass sie für nichts zu gebrauchen waren, vor allem nicht zum Fahren. Ein Auto zum Abgewöhnen für Benzinjunkies wie wir sie waren. Landeier in der Stadt, die mit 16 ihre Fleppen in den Himmel hoben und sich auf eine trügerische Freiheit freuten, eine Freiheit zuerst auf zwei Rädern mit knatternden Auspuff und dann in der ersten eigenen Karre mit überquellenden Aschenbechern und zu lauter Musik vor der Tanke.

Wir wollten es genauer wissen und das kleine E-Vehikel auf Herz und Nieren prüfen! Wenn es sein musste, würden wir das Letzte ihm raus holen.

Kalle, Max, Albrecht und ich buchten uns die Möhre am Freitag Abend. Heavy Duty war angesagt. Unter dem Gewicht vier ausgewachsener Proleten ächste das kleine Gefährt unangenehm. Es sollte es nicht leicht haben. Mit Absicht hatten wir uns die kälteste Nacht des Jahres ausgesucht. Minus 20 Grad, Heizung auf volle Pulle und The White Stripes in den CD Player, Licht an und mit der Warnblinkanlage ausgeparkt. Los gings.

Im Display leuchtete erwartungsvoll ein READY. Ich trat das Gaspedal voll durch und schoss durch den schwarzen Schnee auf die Straße. Erst mal cruisen! Wir hängten uns an ein paar Nasen aus dem Umland. Ließen sie an der nächsten Ampel einfach stehen und freuten uns wie Schneekönige, dass wir mit satten 3 Kilometern weniger auf der Batterieanzeige bestraft wurden. Das kleine Spielzeuggefährt, es erinnert sehr an einen mobilen und überdachten Rollator, schoss durch die Stadt. Mit offenen Fenstern, Heizung und Autoradio auf Maximum gings durch die Kneipenmeilen. Kalle versuchte sich auf der Rückbank durch das Fenster zu zwängen, vergebens! Im Fenster steckend, furzte er verzweifelt und brüllte ein paar Bekannten auf der Straße hinterher. Die Reichweite purzelte dahin, von den ursprünglich 100 km hatten wir schon dreißig aufgebraucht. Macht nichts! Wir fuhren voller Freude in den entferntesten McDonalds, der uns in den Sinn kam. Weit im Westen der Stadt kurvten wir durch verlassene Gewerbegebiete, drehten Pirouetten mit angezogener Handbremse und hievten im Drive In Burger mit fettigen Pommes und Literweise Coce ins Auto. Schneller als unsere Smartphones verlor das Ding seinen Saft, aber o Wunder, nach jedem Bremsmanöver hatten wir wieder einen Kilometer mehr auf der Anzeige.

Fahrerwechsel. Kalle durfte ran. Und dieser verrückte Hornochse fuhr verkehrt herum in einen Kreisverkehr, zeigte der versammelten Mannschaft, dass wir auch auf Gehwege passten. Nur von der Idee mit der Kiste über den zugefrorenen See zu fahren, konnten wir ihn noch abhalten. Auf dem kalten Strand direkt an der Wasserkante stehend, kicherten wir wie Wilde über die Vorstellung beim Untergehen noch eine gewischt zu bekommen.

Elektrisiert schwirrten wir weiter durch die Nacht, zuerst durch die einsamen Vororte, dann, immer mehr Partygängern begegnend, durch die matschigen Häuserschluchten, vorbei am eingefrorenen Puls der Stadt. Albrecht wollte nur noch The Hardest Button To Button hören. Gefangen in der Dauerschleife drückte er alle Knöpfe, öffnete ausversehen die Motorhaube, sprang vor einer Ampel aus dem Auto und schloss sie wieder mit seinen großen Pranken. Wir waren Teenies, high vom Doofsein, die sich großartig fühlten. Der Versuch zwei Frauen ins Auto zu holen, scheiterte an den Platzverhältnissen und ihren dummen Mackern. Abschleppen? Fehlanzeige!

Der Akku warnte schon einmal vor. Noch zehn Kilometer, dann würde zumindest er aussteigen. Wir rumpelten weiter, unverfroren und nimmer müde über Schlaglochpisten, Kopfsteinpflastersteine und gelbe Ampeln. Noch 5 Kurven, 5 Kreuzungen, ein paar Kilometer und wir wären wieder dort, wo wir unseren Höllenritt angefangen hatten. Das Display leuchtete in rot und gelb, ein unangenehmes Piepen kam von irgendwoher. Gleich wäre es soweit, wir wieder da und das Ding am Ende. Zielgerade, ein letztes Röcheln und wir rollten leer an den Straßenrand.

Beim Schieben machten wir uns Freunde. Das Auto steckten wir ausgelutscht an die Dose und erfreuten uns und einige Kneipen mit unseren Geschichten den Rest Nacht. Glaubste nicht? Egal, ist wirklich wahr!