Kondome und Bluthochdruck

Schön, mit was uns die Werbeindustrie alles beglückt. Hier ein Klassiker aus dem Jahr 2007 zum Thema Kondome. Und als gleich hinterher, die vielleicht einzig sinnvolle Verwendung für Bluthochdruck. Giroplus!

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Die Qualle – ein Schicksal in vier Teilen

Qualle

Es gibt blaue, grüne, graue, orangene und weiße Tage. Blaue Tage finden sich vor allem am Meer, dann wenn Wasser und Himmel in der Mittagshitze zu einem einzigen Farbeimer verlaufen. Ein solcher Tag ist heute.

Die Wellen plätschern störrisch an den Strand, während eine Qualle durchscheinend und präzise durchs Wasser gleitet. Leider verfrachtet sie eine Welle ungefragt gefährlich nahe ans Trockene. Noch bevor der Gallertklumpen sachte Gegenmaßnahmen ergreifen kann, ist es zu spät.

Ohne Vorwürfe an ihr Schicksal, liegt sie da und hat keine Ahnung, nur dies fühlt sie – sie liegt auf heißem Grund gefangen. Aufgrund mangelnder Beweglichkeit bleibt sie liegen, schaut, glubscht und beginnt, in der strahlenden Farbeimersonne zu zerfließen.

Schaufel

Wenn sich die Blechlawine ächzend in Richtung Strand bewegt und Kinderschreie Nerven spannen, ist jedes Mittel recht, sich das Stillschweigen zu erkaufen.

Das Geld gleitet über die Ladentheke und im Gegenzug findet die Schaufel einen neuen Besitzer, der trotzig und im staunenden Schweigen über sein neues Spielzeug doch noch die Klappe hält. Am Wasser angekommen grabschen kleine Menschenkinderhände gierig nach ihrem neuen Spielzeug. Später rumpelt sie über den Sand, mal bleibt sie liegen, mal wird sie vergessen und wieder mitgenommen, sie steckt im Strand und im Wasser, buddelt im Matsch, quietscht über Steine und baut Burgen aus Klecker oder aus Sand.

Menschenkind

Rotznäsig und zahnlückig schießt es, einem befreiten Vogel gleich, aus dem Auto. Man hält es fest, gibt letzte Instruktionen und einen Klecks Sonnencreme auf Nase und Ohren, schon stiebt es auf und davon, rennt Kreise, staunt vor dem großen Wasser, Mund offen, Augen groß. Kommt wieder, um zwischen einem „Pass auf!“ und „Nicht so weit weg!“ samt der neuen Schaufel zu verschwinden.

Dank einer spürhundhaften Neugier bleibt die Qualle nicht lange unentdeckt. Was sie noch nicht wusste, heute ist kein guter Tag für sie. Das Menschenkind nährt sich eher schüchtern mit einer Hand. Es fasst die Qualle ins Auge, beginnt zu blinzeln und wiegt die Schaufel leicht in der Hand. Platsch- Volltreffer. Wildes Geschrei, Rumgefuchtel, aufstiebendes Wasser und ein heilloses Durcheinander. Das Kind läuft schreiend über den ganzen Strand einer unbestimmten Hoffnung auf offenen Armen entgegen. Die Schaufel bleibt an Ort und Stelle liegen, Zeuge und Mitwisser eines tragischen Schicksals.

Möwe

Was wäre das Meer ohne Möwen, ohne Emma und ihr wildes Geschrei? Einer dieser weißen Federhaufen hat soeben hastig einen Fisch verspeist. Nach der Mahlzeit geht es weiter. Die Möwe schwingt sich voll und schwer beladen in die Lüfte. Das Essen, es scheint unverdaulich, eine Fischvergiftung ganz und gar. So lässt sie denn unachtsam einen Klumpen Scheiße auf die Erde plumpsen und wirft von oben einen möwenverächtlichen Blick herab. Der trifft ins Leere, die Scheiße tut es nicht. Sie trifft genau ins Schwarze, absolut ins Ziel. Auf dem Boden Schreie und Gezeter. Dem Vogel scheint es einerlei. Er segelt munter weiter, auf der Suche nach dem nächsten Fisch. Angelockt von einem Glitzern setzt die Möwe ihre Beine nieder auf den Sand. Kein Fisch ist hier zu holen. Die Reste einer Qualle verschwinden gerade noch im Meer.