Heavy Duty – Testfahrt mit dem E-Mobil


Ach was hatten wir schon Gutes über Elektroautos gehört, nur dass sie für nichts zu gebrauchen waren, vor allem nicht zum Fahren. Ein Auto zum Abgewöhnen für Benzinjunkies wie wir sie waren. Landeier in der Stadt, die mit 16 ihre Fleppen in den Himmel hoben und sich auf eine trügerische Freiheit freuten, eine Freiheit zuerst auf zwei Rädern mit knatternden Auspuff und dann in der ersten eigenen Karre mit überquellenden Aschenbechern und zu lauter Musik vor der Tanke.

Wir wollten es genauer wissen und das kleine E-Vehikel auf Herz und Nieren prüfen! Wenn es sein musste, würden wir das Letzte ihm raus holen.

Kalle, Max, Albrecht und ich buchten uns die Möhre am Freitag Abend. Heavy Duty war angesagt. Unter dem Gewicht vier ausgewachsener Proleten ächste das kleine Gefährt unangenehm. Es sollte es nicht leicht haben. Mit Absicht hatten wir uns die kälteste Nacht des Jahres ausgesucht. Minus 20 Grad, Heizung auf volle Pulle und The White Stripes in den CD Player, Licht an und mit der Warnblinkanlage ausgeparkt. Los gings.

Im Display leuchtete erwartungsvoll ein READY. Ich trat das Gaspedal voll durch und schoss durch den schwarzen Schnee auf die Straße. Erst mal cruisen! Wir hängten uns an ein paar Nasen aus dem Umland. Ließen sie an der nächsten Ampel einfach stehen und freuten uns wie Schneekönige, dass wir mit satten 3 Kilometern weniger auf der Batterieanzeige bestraft wurden. Das kleine Spielzeuggefährt, es erinnert sehr an einen mobilen und überdachten Rollator, schoss durch die Stadt. Mit offenen Fenstern, Heizung und Autoradio auf Maximum gings durch die Kneipenmeilen. Kalle versuchte sich auf der Rückbank durch das Fenster zu zwängen, vergebens! Im Fenster steckend, furzte er verzweifelt und brüllte ein paar Bekannten auf der Straße hinterher. Die Reichweite purzelte dahin, von den ursprünglich 100 km hatten wir schon dreißig aufgebraucht. Macht nichts! Wir fuhren voller Freude in den entferntesten McDonalds, der uns in den Sinn kam. Weit im Westen der Stadt kurvten wir durch verlassene Gewerbegebiete, drehten Pirouetten mit angezogener Handbremse und hievten im Drive In Burger mit fettigen Pommes und Literweise Coce ins Auto. Schneller als unsere Smartphones verlor das Ding seinen Saft, aber o Wunder, nach jedem Bremsmanöver hatten wir wieder einen Kilometer mehr auf der Anzeige.

Fahrerwechsel. Kalle durfte ran. Und dieser verrückte Hornochse fuhr verkehrt herum in einen Kreisverkehr, zeigte der versammelten Mannschaft, dass wir auch auf Gehwege passten. Nur von der Idee mit der Kiste über den zugefrorenen See zu fahren, konnten wir ihn noch abhalten. Auf dem kalten Strand direkt an der Wasserkante stehend, kicherten wir wie Wilde über die Vorstellung beim Untergehen noch eine gewischt zu bekommen.

Elektrisiert schwirrten wir weiter durch die Nacht, zuerst durch die einsamen Vororte, dann, immer mehr Partygängern begegnend, durch die matschigen Häuserschluchten, vorbei am eingefrorenen Puls der Stadt. Albrecht wollte nur noch The Hardest Button To Button hören. Gefangen in der Dauerschleife drückte er alle Knöpfe, öffnete ausversehen die Motorhaube, sprang vor einer Ampel aus dem Auto und schloss sie wieder mit seinen großen Pranken. Wir waren Teenies, high vom Doofsein, die sich großartig fühlten. Der Versuch zwei Frauen ins Auto zu holen, scheiterte an den Platzverhältnissen und ihren dummen Mackern. Abschleppen? Fehlanzeige!

Der Akku warnte schon einmal vor. Noch zehn Kilometer, dann würde zumindest er aussteigen. Wir rumpelten weiter, unverfroren und nimmer müde über Schlaglochpisten, Kopfsteinpflastersteine und gelbe Ampeln. Noch 5 Kurven, 5 Kreuzungen, ein paar Kilometer und wir wären wieder dort, wo wir unseren Höllenritt angefangen hatten. Das Display leuchtete in rot und gelb, ein unangenehmes Piepen kam von irgendwoher. Gleich wäre es soweit, wir wieder da und das Ding am Ende. Zielgerade, ein letztes Röcheln und wir rollten leer an den Straßenrand.

Beim Schieben machten wir uns Freunde. Das Auto steckten wir ausgelutscht an die Dose und erfreuten uns und einige Kneipen mit unseren Geschichten den Rest Nacht. Glaubste nicht? Egal, ist wirklich wahr!

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Das Auto am Stecker – Gedanken zur zukünftigen Mobilität


Der Klimagipfel in Kopenhagen ist weitestgehend ergebnislos geblieben. Schon kurze Zeit später wurden Zweifel laut, ob der Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) überhaupt stichhaltige Beweise für den Klimawandel liefere. Von verschwiegenen Daten und übertriebenen oder falschen Zukunftsprognosen war die Rede. Hinzu kam ein Zahlendreher im Bericht. Einige fühlten sich daraufhin in ihrer Meinung bestärkt. Andere wiederum witterten unlautere Machenschaften. Gibt es den menschengemachten Klimawandel überhaupt?

Dem Diskurs über die Mobilität der Zukunft hat der Streit um den Klimawandel sicher mehr geschadet als genützt. Allzu oft wurde die Debatte zudem nur auf den Ausstoß von CO2 durch den motorisierten Individualverkehr (MIV) reduziert. Sporadisch auch auf andere Schadstoffe, Stichwort: Feinstaub. Wichtige Teilaspekte, wie eine Übertragbarkeit der in den Industrienationen praktizierten Mobilität auf den Rest der Welt oder die grundsätzliche Vereinbarkeit von Metropolen und Megalopolen mit einer autoorientierten Mobilität aber auch die Endlichkeit wichtiger Rohstoffe, allen voran das Rohöl, standen in Tagesmedien und Politik hingegen oft nur an zweiter Stelle. Viel wichtiger erschien es bislang immer, beim Thema Elektromobilität schnell vorzeigbare Lösungen zu präsentieren.

Laut den Vereinten Nationen lebten im Jahr 2008, zum ersten Mal in der Geschichte überhaupt, mehr Menschen in Städten und Stadtregionen als auf dem Land. Im 21. Jahrhundert wird das Leben in urbanen Ballungsräumen wohl die typischste Existenzform sein. Grundbedürfnisse wie gesundes Wohnen und Essen, Sicherheit, soziale und kulturelle Teilhabe und nicht zuletzt Mobilität sind aber unter Aspekten wie Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit nur zu befriedigen, wenn sie so wenig wie möglich negative, externe Effekte für Umwelt und Gesellschaft bedeuten würden.

Global betrachtet bietet der energie- und flächenintensive Mobilitätsstil der hochindustrialisierten Länder Europas und Nordamerikas die denkbar schlechtesten Voraussetzungen für eine Übertragung auf den Rest der Welt. Die rasch wachsende Bevölkerung, vor allem in den lateinamerikanischen und asiatischen Metropolen, macht ein Umdenken unausweichlich. Menschliche Siedlungen entstanden schon immer an den Brennpunkten des Verkehrs. Eine Stadt ohne Verkehr ist undenkbar. Die Entwicklung immer größerer und komplexerer Städte bedarf deshalb eines gut durchdachten, zukunftsfähigen Personen- und Güterverkehrs. Die städtische Mobilität von morgen kommt somit um eingehende Diskussionen über Lösungsansätze und ein belastbares Gesamtkonzept nicht herum.

Aufgrund der Komplexität von Mobilitätsprozessen ist ein Patentrezept nicht in Sicht. Umso erstaunlicher ist da die Aufmerksamkeit, die der Form von Elektromobilität geschenkt wird, welche schlicht den Antrieb austauscht, das System an sich aber unberührt lässt. Mit einer solchen Methode wird sicher kein wesentlicher Fortschritt in puncto Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit erreicht. Mangelnde Effizienz, hohe Sicherheitsrisiken, fehlende Übertragbarkeit in Schwellenländer und Staaten der Dritten Welt sowie der vermehrte Einsatz endlicher Ressourcen (z.B. Lithium für die Batterien) sind Problemfaktoren, die dem E-Auto anhaften und die es zu lösen gilt.

In Deutschland und Europa scheint die Elektro-Mobilität für Carsharing oder Lieferservice-Projekte wie gemacht. Auch Fahrräder mit elektrischem Hilfsantrieb, sogenannte Pedelecs, erweisen sich als ideales Einsatzgebiet der E-Mobilität. Für viele Senioren aber auch für Geschäftsleute, die im Anzug schnell und bequem vorankommen wollen, sind solche Fahrräder eine sehr gute Alternative zum Auto. In Stuttgart wird derzeit bereits ein Fahrradverleih-Projekt mit Pedelecs gefördert.

Ihren größten Vorteil hat die E-Mobilität aber dort, wo sie heute schon eingesetzt wird, bei der Eisenbahn. Aber viele Strecken, vor allem im grenzüberschreitenden Verkehr, sind noch nicht elektrifiziert. Und dass auf den bereits elektrifizierten Strecken vermehrt wieder Diesellokomotiven privater Anbieter rollen, ist ein weiteres Problem. Der Ausbau moderner Strecken ist Teil einer dringend notwendigen, offensiven Bahnpolitik. Sie würde zudem in eine Zukunft passen, in der der Großteil der mobilen Bevölkerung mit dem öffentlichen Fern- und Nahverkehr, per Fahrrad oder zu Fuß unterwegs ist. Doch bedeutet dies einen Rückfall in die mobile Steinzeit? Mitnichten! Die Verkehrsträger der Zukunft sind dann so eng miteinander verzahnt, dass eine intermodale Mobilität möglich ist. Die Angebotspalette ist breit gefächert. Wege könnten sicher, bequem und schnell zurückgelegt werden, während die externen Belastungen für Gesellschaft und Umwelt dabei nur gering ausfielen. Dies ist die Vision, die es zu verwirklichen gilt.