Frankie von Darren Thornton [12m09sec/2007]

Geboren wurde Darren Thornton am 25. Januar 1976 in Irland. Er studierte Film in Dublin und gründete 1994, zwei Jahre vor Studienabschluss, die Calipo Theatre and Picture Company, die auch seine eigenen Filme produziert. Dazu gehört unter anderem die sechsteilige TV-Serie „Love Is The Drug“. Darüber hinaus hat Thornton „Sharp Focus“ ins Leben gerufen, ein Kurzfilmprojekt für junge Filmemacher.

Mit Frankie gewann er 2008 den Preis des besten Kurzfilms auf der Berlinale. Giroplus!

Blu in Berlin [03m50sec/2008]

Sicher haben viele das Bild schon einmal in Berlin-Kreuzberg gesehen. Es wurde vom italienischen Street Art Künstler Blu gestaltet. In Berlin gestaltete er mehrere Hausfassaden neu, die meisten davon in Kreuzberg. Bekannt wurde seine Arbeit auch durch die Stop-Motion-Filme, in denen er die Gestaltung von Wänden kontinuierlich fotografiert und zu einem Film zusammenstellt. Ein Beispiel dafür ist Muto. Giroplus!

Als wir träumten

In der Straße gab es ein Tor mit der Aufschrift „Fabrik“ darauf. Lustige Vögel hatten solange Prospekte von Aldi, Matratzen Concorde und Co. in den toten Briefkasten geworfen, die letzten mussten sie wahrscheinlich mit letzter Kraft hinein gepresst haben, bis die Sonderangebote aus der Klappe herausquollen. Manch einer sah sich sogar versucht, die Preisknüller nur noch über das Tor zu werfen, bündelweise, einfach so.

Voll war auch der Innenhof. Schon hinter dem Tor lag Laub, an einigen Stellen Moos, Birken sprengten den Asphalt, wuchsen zwischen leckgeschlagenen Fässern und einem alten Paar Handschuhen. Überall waren Kleinigkeiten verstreut, kleinere und größere Gegenstände lagen achtlos herum, befanden sich im Begriff aufzulösen, zu verrosten oder zu zerbröckeln. Am Ende würde sie der Regen mit in die Luppe nehmen.

Nirgendwo fand sich noch Glas in einem Rahmen. Es knirschte stattdessen unter unseren Gummistiefeln. Nachdem keine Fensterscheibe mehr übrig war, traten sie die Türen ein, zerkleinerten Möbel zu Brennholz und ließen auch so keinen Stein auf dem anderen. Sie, keine Ahnung wer sie waren. Ganze Bautrupps mussten es gewesen sein. Selbst jetzt wo es schwer fällt, die Szenerie anders als einen Haufen Scheiße zu bezeichnen, sind sie da. Ab und zu knallt es, dazwischen helles Geschrei. Irgendwann einmal hieß es baut auf, baut auf, hier wird nur noch abgewrackt.

An einer Dachrinne bleibe ich stehen. Regenwasser fließt schon lange keines mehr durch. Es perlt an der Wand herunter, nimmt den Putz mit, später wird es die ganze Wand weg waschen. Ganz nahe herangetreten, rieche ich den Verfall. Ganze Straßenzüge vergammeln in dem ihnen eigenen Geruch. Er kriecht aus Kellerluken, kommt aus dürftig verrammelten Fenstern und leeren Fabrikhallen. Manchmal findet er sich auch im Hauptbahnhof, in einem Tunnel der die Bahnsteige verbindet, hinter einem Gitter lauert er, dass einen Gang mit Rohren verbirgt…

Auf dem Hof liegt ein diffuser Gestank, der an Chemie erinnert. Wahrscheinlich ist das ganze Gelände verseucht. Bis in fünf Meter Tiefe findet sich kein Regenwurm mehr, die Maulwürfe sind ausgewandert, die Spinnen mutiert. Nur Altlasten, überall.

Zusammen stehen wir im zweiten Stock eines heruntergekommenen Gebäudes. Der Geruch von Chemie ist stärker geworden, die Altlasten verdichten sich in großen Tonkrügen, aus denen eigenwillige Apparaturen herausragen.

Clemens Meyer kommt mir in den Sinn und sein Buch Als wir träumten. Ich habe es nie gelesen. Was war ihr Traum? Was träumen wir? Ist das der unsrige? Die Stadt als übergroßer Spielplatz, als Schutthaufen staubbedeckter Erinnerungen,als Schatzkiste?

Das ist also unser Gold und Silber, ein Raum voll alter Leimdosen, blaue Schrift auf weißem Grund und ein lachendes Männergesicht. Unsere Schätze lassen wir unberührt bis der nächste kommt und sie holt. Wie der Herr im Erdgeschoss. In einer dunklen, fensterlosen Halle drischt er weiße Kacheln von der Wand. Einer kurzer Redeschwall unterbricht seine Arbeit: „Kann ich helfen?“ „Nein, wir schauen uns nur mal um.“ Er drischt weiter, schleppt seine Schätze davon und lässt die Altlasten liegen. Oder macht er es andersherum, lässt Schätze liegen und plagt sich mit Altlasten ab. Wir wussten es nicht.

„Was machen wir hier?“ Im Keller an eine Wand gelehnt, glimmen unsere Zigaretten im Dunkeln. Der Keller ist abgesoffen, über uns das Dröhnen eines Vorschlaghammers, weiter weg lautes Geschrei. Was machen wir hier am Rande von Lindenau? Wir können unsere Geschichten nicht einmal als Abenteuer verkaufen. Als wir träumten, liefen wir durch die kaputten Geschichten fremder Menschen, in Gummistiefeln, um trockene Füße zu behalten. Und das nun schon seit Jahren!

Citoplasmas en medio acido von Irene Iborra und David Gautier [03m57sec/2004]

Das Gerücht, dass Studenten in Vorlesungen notorisch langweilig ist, sie noch öfter einschlafen und manchmal sogar schnarchen, hält sich hartnäckig. Mehr zum Film und seiner Entstehung erfahrt ihr hier (leider nur auf Spanisch). Giroplus!