Reise ums Kap

Vor vier Jahren stand ich an einer der großen Ausfallstraßen im Norden Aucklands. Ich war mir damals nicht sicher, ob man in NZ den erhobenen Daumen als Zeichen fürs Trampen erkennen würde. Trotz dieser Unsicherheit hielt nach fünf Minuten ein pink-farbener LKW an. Ungefähr 50 km weiter parkte der Fahrer sein Vehikel neben einem kleinen Lebensmittelgeschäft. Ich sprang aus der Beifahrertür, meine Frage geklärt und in der Tasche eine pinke Visitenkarte. Brian gab sie mir mit den Worten, dass alle seine Söhne ausgezogen seien und sein Haus genug Platz für einen Besucher bieten würde. Drei Wochen später schaute ich in Gisborne, der Heimatstadt Brians, vorbei. Die nächsten zwei Wochen und die Weihnachtsfeiertage verbrachte ich mit der Familie Hall. Als ich sie verließ, hatte ich mir bereits vorgenommen wiederzukommen, nur konnte ich beim besten Willen nicht sagen, wann dieser Zeitpunkt sein würde.Vier Jahre später stand ich zusammen mit Ellen vor einem vertrauten Haus an einem mir altbekannten Ort. Anita, Brians Frau, wartete mit einem zurückhaltenden Lächeln bekleidet, in der Eingangstür, während Brian enthusiastisch aus seiner Garage kam, mich mit einer Umarmung begrüsste und mich fragte, ob ich endlich Englisch gelernt hätte. Kaum hatte ich meinen Rucksack abgestellt, wuselten wir alle zusammen über das Grundstück und Brian zeigte uns die Antiquitäten, die er einem Händler in Auckland verkaufen wollte (er hatte sie zum halben Preis in den USA gekauft) und sein zweites Rolling Home, (ein Bus der „nur“ sieben Meter lang ist, der erste maß stolze elf) den er gerade für ein Tour auf die Südinsel präparierte. Die Gastfreundschaft der beiden schien wieder einmal unerschöpflich und wie sich herausstellte, verbrachten wir wiederum zwei Wochen in Gisborne.

Gisborne

Gisborne ist Neuseelands östlichste Stadt und macht gerne mit der Tatsache Werbung, dass jeder Tourist nur hier die Möglichkeit hat, jeden Sonnenaufgang vor allen anderen Menschen zu sehen. Die zweite wichtige Attraktion ist der Flughafen, welcher als Einziger auf der Welt eine Rollbahn besitzt, die von Bahnschienen gekreuzt wird. Im Zweifelsfall hat immer der Zug Vorfahrt! Historisch Bedeutendes dagegen findet sich in zwei James Cook Statuen verdichtet, gilt doch der Ort als der erste Punkt an dem der englische Entdecker einen Fuß an Land setzte. Leider wurden beim ersten Aufeinandertreffen zwischen europäischen Seefahrern und Maoris sechs Eingeborene aufgrund kultureller Missverständnisse getötet. Ein nicht allzu rühmlicher und oft verschwiegener Start einer noch jungen Nation.

Waikaremoana

Probleme bei der Aussprache? W wie ein weiches W in Vase, ai wie ei, alle folgende Vokale einzeln wobei die Aussprache gleich der deutschen ist. Ai wird wie ei ausgesprochen, alle anderen Vokale genauso wie ihre deutschen Gegenstücke. Waikaremoana oder Lake of the Rippling Water. Vor 2600 Jahren löste ein Erdbeben einen Bergsturz aus, der ein enges Tal unter sich begrub und damit den See langsam aufstaute. Heute ist er ein Teil des Te Urewera Nationalparks und eines der schönsten Naturspektakel, das Neuseeland zu bieten hat. Die Strasse nach Weikaremoana folgt fast 60 km einem Fluss und ist zum Schluss eine Schotterpiste, direkt ins Nirgendwo. Auf einem fast fünfzig Kilometer langen Pfad kann jeder Müller und alle anderen, die Lust auf Wandern haben den See umrunden. Dabei bewegt man sich unablässig in Postkartenmotiven oder Herr der Ringe Landschaften. Der Wald sieht aus wie ein Märchenwald, alle Bäume haben lange Bärte aus Flechten und manche von ihnen scheinen älter als Asbach Uralt zu sein. Dazwischen stehen Baumfarne, pflanzliche Überreste aus der Zeit, als alle Kontinente noch als Gondwana zusammenhielten und nicht jeder seinen eigenen Geschäften nachging.

Reise ums Cape

Ausgerüstet mit einem allradgetriebenen Jeep, machten wir uns auf den Weg, das East Cape zu umrunden. Die Region um die Bay of Plenty und die East Coast gehört zu den am längsten besiedelten Gebieten Neuseelands. Hier landeten nicht nur die ersten Maoris mit ihren Hochseekanus sondern auch James Cook und sein Schiff, die „Endeavour“. Bis in die Gegenwart ist der starke Einfluss der Maoris in dieser Gegend erhalten geblieben. Es gibt immer wieder Reibungspunkte zwischen ihnen und den Neuseeländern mit europäischen Wurzeln. Als aussenstehender Beobachter reichen die Einblicke oftmals nicht aus, um sich eine eigene Meinung bilden zu können. In den meisten Fällen drehen sich die Auseinandersetzungen um unterschiedliche Lebensweisen oder differierende Ansichten. Ein heißes Eisen ist immer wieder aufs Neue Landrechte oder Landzugangsrechte. Die Frage, ob diejenige Bevölkerungsgruppe, die zuerst an einem Platz siedelte, mehr Rechte an einem bestimmten Stück Land besitzt, wird seit mehr als 200 Jahren heftig diskutiert. Einige abgeschiedene Maorikommunen haben bis heute nicht den Staat Neuseeland anerkannt. Auf der anderen Seite gibt es Neuseeländer, die der Meinung sind, Maoris seien Landsleute zweiter Klasse.

Tologa Bay

Auf dem Weg zum östlichsten Punkt des Landes, liegt auf halbem Weg die Tologa Bay. Sie beherbergt neben einem ordinären Strand auch das längste Pier des Landes (660 m) und möglicherweise der südlichen Hemisphäre. Was wäre ein touristischer Höhepunkt ohne seinen eigenen Superlativ und einer kleinen Anekdote im Schlepptau. Schon bei ihrer Eröffnung wurden durch einen Unfall sechs gut betuchten Damen die Beine gebrochen. Nachdem zehn Jahre hauptsächlich Schafwolle verschifft wurde, kam nach der Weltwirtschaftskrise die Einsicht, dass der Transport der Wolle über eine Strasse um einiges effizienter und zudem schneller ist. Somit wurde hauptsächlich Material zum Bau der Küstenstrasse über die Pier eingeschifft, die letztlich zu deren Untergang geführt hat.

East Cape

Das East Cape ist der östlichste Punkt des neuseeländischen Festlandes. Auf 178 Grad östlicher Länge gelegen, ist es nur noch ein Katzensprung bis zur Datumsgrenze. Wo ein Cape da auch ein Leuchtturm und zu diesem Leuchtturm gibt es natürlich wiederum ein Anekdote: Wer sich auf den Weg zum East Cape begibt, lässt sich zunächst einmal von einer 20 km langen Schotterpiste durchschütteln.Um dann, kurz vor dem Ziel, 720 Treppenstufen zum östlichsten Leuchtturm (der altbekannte Superlativ) der Welt hinauf zu steigen. Alles leichte Kost! Der erste Leuchtturm stand nämlich auf einer kleinen Insel zwei Kilometer vor der Küste entfernt. Am Ende der Welt mussten die drei Familien, die für seinen reibungslosen Betrieb verantwortlich waren, mit einem Ruderboot mühselig zu ihrem Arbeitsort gebracht werden. In den 1960ern, lange nachdem der Leuchtturm aufs Festland versetzt und automatisiert wurde, erregte die Insel noch einmal das Interesse eines ortsansässigen Farmers. Gefrässige Ziegen setzten der ansässigen Flora und Fauna, besonders dem letzten verbliebenen Pahutakawa Baum, enorm zu. Eine von ihm eilig zusammen gerufene Jagdgesellschaft erlegte in drei Tagen 68 Ziegen. Unglaublich viel für eine Insel, die nicht mehr als ein Fels in der Brandung ist. Der Pahutakawa Baum rutschte leider ein paar Jahre später samt einem grossen Erdrutsch ins Meer.

Advertisements

Hearts are meant to be broken

Käfer

Als er schlaftrunken seine Frau anschaute, ließ der Ekel kleine Blutbahnen in seinen Augen platzen. Käfer sah sie noch eine Weile an, bevor er missmutig ins Badezimmer schlurfte. Vor dem Spiegel überkam ihn erneut der Ekel. Er begann seinen Körper zu begutachten, seine weiße Haut, die vielen Muttermale und seine roten Schamhaare, in deren Mitte sein Penis schlaff herab hing. Wie konnte sie mit ihm schlafen? Wie war es ihr möglich, sich in seiner Nähe aufzuhalten, ohne auf den Boden zu kotzen? Käfer überschlug diese Gedanken kurz in seinem Kopf, kam aber zu keinem brauchbaren Ergebnis. Er fühlte sich wie ein Abziehbild eines Abziehbildes eines Abziehbildes. Wie ein Käfer unter Käfern. Es war egal, ob jemand diese Ansicht mit ihm teilte. Wenn dieser Gedanke, nicht in Worte gefasst, einzig in Gefühlen über ihn hereinbrach, kam der Ekel.

You Jin

You Jin war ein lebender Buddha mit langen schwarzen Haaren. Sie trug Hotpants und einen grauen Sweater, der einen großen Teil ihrer braunen Oberschenkel überdeckte. Die Leute zerrissen sich genauso gerne das Maul über sie wie You Jin über ihre Torheit lachte. Tauchte sie irgendwo auf, wurden Frauen misstrauisch und Männer lachten zu laut über ihre eigenen Witze. Manche mokierten sich über ihr selbst gestochenes Tattoo “Hearts are meant to be broken!”, dass in ihrem Ausschnitt prangte. Gestern waren ihre Brüste Thema und die Tatsache, dass sie keinen BH trug, während es Vorgestern ihre langen braunen Beine waren. Der neugierige Pöbel auf der Straße fand immer etwas, an dem er Anstoß nehmen konnte. You Jin jedoch kannte als Antwort nur das helle Stakkato ihres Lachens.

Käfer

Ihm war langweilig, was nichts Besonderes war, denn im Grunde langweilte ihn seine Arbeit täglich neun Stunden lang. Mit seinem Kopf auf die linke Hand gestützt, saß Käfer an seinem Schreibtisch und starrte ins Leere. Seine Lider begannen immer öfter zu zittern und er drohte jäh in einen unruhigen Halbschlaf zu sinken. Sie hatte sich auf einen Drehhocker gesetzt und ihre Beine übereinander geschlagen. Ihr grauer Sweater lag nicht unweit von ihr auf dem Boden. Käfer war irritiert, er wusste nicht wo er war und noch weniger was zum Teufel er hier machte. Was ihn jedoch am meisten verunsicherte, war die halbnackte Frau, die vor ihm auf einem Stuhl saß. Immer wieder drehte er sich nervös um, um andere Zuschauer ausfindig zu machen. Aber da war niemand. Nur diese Frau. Sie saß vollkommen unbeteiligt da und drehte sich langsam im Kreis. Käfer gierte nach jedem Teil ihres Körpers und wünschte sich nichts sehnlicher, als mit seinen schwitzigen Händen ihre Haut zu berühren. Beim Anblick ihrer dunklen Nippel bekam er eine Erektion und ein dünner Speichelfaden lief aus seinem halb geöffneten Mund. Abrupt drehte er sich um. War dort jemand? Nein, Käfer war allein mit ihr und seiner Wahnvorstellung, sie zu besitzen. Er wollte an ihren langen Haaren reißen, ihre schlanken Handgelenke verdrehen und den Schmerz in ihren Augen sehen. Er wollte Macht. Macht über sie, um sein eigenes kümmerliches Dasein und den Ekel, das es ihm bereitete zu vergessen.

Immer unruhiger drehte sich Käfer um seine eigene Achse. Er konnte seine Augen nicht von ihr lassen, sah aber gleichzeitig sich bewegende Schatten in seinen Augenwinkeln. Sie zu berühren, wagte er nicht. Aber noch weniger behagte ihm die Vorstellung, dass sich eine dritte Person im Raum befand.

Birch

Birch war 93. Wenn sie auf ihren Stock gestützt durch die Straße schlurfte, war sie trotz ihres Buckels immer noch einen Kopf größer als der Rest der Leute. Diese Tatsache brachte ihr außer einigem Gelächter auch den Spitznamen “Tante Giraffe” ein. Sie war ein merkwürdiger Kauz aber ein essentieller Teil des Viertels. Jeder scherzte mit ihr, man neckte sie, aber niemand beleidigte sie ernsthaft. Hinter vorgehaltener Hand erzählten sich die Leute allerhand merkwürdige Geschichten, die, obwohl nicht nachprüfbar, sich langsam zu Legenden verhärteten. Manchmal kam es vor, dass Birch lauthals zu singen begann. Ihre spinnenartigen Finger gaben dann den Takt an, während aus ihrer dürren Brust ein trockener und voluminöser Bass drang. Angeblich sang Birch, von sich selbst am Klavier begleitet, ab und zu in einem Nachtclub. Angeblich!

Käfer

Als er aufwachte rannte Käfer ohne ein Wort der Entschuldigung aus seinem Büro. Nach mehr als drei Stunden Herumirrens blieb er abrupt stehen. Seine Schläfen pochten und in seinem Mund machte sich ein kalter metallischer Geschmack breit. Aber sie war es! Nicht halbnackt wie in seinem Tagtraum, sondern mit einem grauen Sweater, Hotpants und Flip Flops bekleidet. Käfer folgte ihr so unauffällig wie möglich. Zumindest glaubte er fest daran. Stattdessen war er ein sabbernder Hampelmann mit weit aufgerissenen Augen.

Nachdem sie in einem Hauseingang verschwand, begann Käfer in einer Toreinfahrt auf sie zu lauern. Ein paar Mülltonnen boten genügend Schutz vor den neugierigen Blicken vorbei eilender Passanten.

Immer wieder wischte er sich den Schweiß von der Stirn oder kratzte sich nervös am Unterarm. Bilder platzten wie Seifenblasen vor seinen Augen, in denen sie sich unablässig nackt auf einem Stuhl vor ihm drehte. Er musste blinzeln und ihre Gestalt verschwand und machte anderen Frauen Platz. Käfer sah sich in ihren Augen spiegeln. Sie litten und er war der Grund dafür. Ein Schimmer einer Erinnerung leuchtete in ihm auf und er wusste plötzlich, dass er einer Wiederholung beiwohnte.

Birch

Birch schloss ihre Augen und sog die Nachtluft tief in ihre Nasenlöcher ein. Der Mann im Schatten der Mülltonnen, den sie schon eine ganze Weile beobachtete und der sie anscheinend nicht bemerkt hatte, roch wie ein läufiger Kater, dessen Eier auf die doppelte Größe angeschwollen waren. Leise summte sie und sang vor sich hin: “I’m her yesterday man!”

Käfer

Käfer glaubte sich allein. Er bemerkte nicht einmal die Hand, die sich auf seine Schulter legte. Als er Birch angrinste war er mit seinen Gedanken dermaßen weit weg, dass er wieder anfing zu sabbern. Wer sich mit ihm unterhalten wollte, musste Käfer tief in seinen Traum folgen.

Birch

Birch kannte diesen Traum. Sie musste über die Vorstellung schmunzeln, sie würde in ihm auftauchen, mit 93 Jahren und weit davon entfernt der erotische Nabel der Welt zu sein. In diesem Augenblick kam es ihr so vor, als würde sie einen kleinen Jungen ins Bett bringen. Und mehr war dieses Häuflein Elend vor ihr auch nicht, ein kleiner Junge, in manchen Dingen äußerst gefährlich aber ansonsten eher harmlos. Birch legte eine Hand auf seine Schulter. Mit der anderen Hand bedeckte sie seinen Mund, ganz so als wollte sie ihn daran hindern, ein unanständiges Wort auszusprechen.

Käfer

Käfer registrierte nicht im Geringsten die Anwesenheit der alten Dame. Sein Herumdrehen war nicht mehr als ein Reflex und selbst dann versuchte er immer noch den Hauseingang im Blick zu behalten, in dem You Jin verschwunden war. Erst die Berührung von Birch’s Handfläche auf seinen Lippen zerrte seine gesamte Aufmerksamkeit in die Toreinfahrt zurück. Er wusste im ersten Moment nichts mit dieser Situation anzufangen. Anscheinend summte die Alte einen albernen Popsong: “I’ am her yesterday man”. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte Käfer das absurd und zum Lachen gefunden, aber das hier war alles andere als lustig. Seine Angst, entdeckt zu werden, begann Gestalt anzunehmen. Zu einer Kugel verdichtet, rollte sie langsam von Birch’s Hand auf seine Zunge.

Käfer

Es hätte niemals passieren dürfen, Niemand außer ihm und der dunklen Schönheit durfte hier sein, Niemand durfte ihn sehen, Niemand bei dem zusehen, was passierte. Und nun war sie hier, diese dümmliche Alte. Zu allem Überfluss, hatte sie seine Angst in seinen Mund gestopft. Käfer versuchte krampfhaft nicht zu schlucken. Aber es half nichts! Schweiß bildete sich auf seiner Stirn und seine Eier schrumpften schmerzhaft auf die Größe von Rosinen zusammen. Er konnte fühlen wie der Kugel Angst Haare wuchsen und sich ruhig acht dünne Beinen entrollten. Zum Leben erwacht, krabbelte die Angst tief in seine Eingeweide. Käfer wollte schreien, aber nicht der geringste Laut drang über seine Lippen. Jeder Schrei prallte an einer unsichtbaren Mauer ab und hallte tausendfach in seinem Inneren wieder. In seiner Magengrube angekommen, teilte sich die Kugel wieder und wieder. Überall in seinem Körper fühlte er, wie die hauchdünnen Spinnenbeine sich bewegten. Käfers Ohren waren von seinem eigenen Schreien erfüllt. Mit angsterfüllten Augen sah er, wie er sich beschmutzte und wie seine Beine unter ihm zusammenbrachen.

You Jin

An eine Mülltonne gelehnt, schaute You Jin interessiert auf Birch und den am Boden liegenden Käfer herab. In einer einzigen fließenden Bewegung kniete sie sich neben ihn und schwebte lächelnd über seinem Gesicht. Ihre Züge waren die eines Engels. Für Käfer waren sie der blanke Horror. Er schrie und schrie, selbst als You Jin seine Stirn küsste und mit leicht amüsierter Stimme in sein Ohr flüsterte:“Hearts are meant to be broken!”

Käfer

Käfer sah die Decke an und begann leise zu singen:

Please tell me something have you met an angel
someone too lovely to live on earth
well yesterday I thought I met an angel
but she wasn’t worth all she seemed to be worth
and oh what a fool I have been
I was sure taken in I’m her yesterday man
well my friends that’s what I am

 

Hitchhiker

„The Hitchhiker’s Guide To The Galaxy“ war ein Welterfolg. Ich frage mich des Öfteren, ob tatsächlich genauso viele Menschen dieser Art der Fortbewegung fröhnen wie es Leser dieses Buches gibt.

Hitchhiker, im Deutschen gerne als Tramper bezeichnet, müssen ein äußerst amüsantes Völkchen sein – zumindest für einen Großteil der Autofahrer. Sinnlos am Straßenrand abgestellt, halten sie erwartungsfroh einen Daumen in die Höhe, in der unbändigen Hoffnung ein Auto würde anhalten und sie ein Stückchen mitnehmen. Viele Autofahrer sind derart angetan, dass sie sich gerne mitfreuen, winken, ebenfalls einen Daumen in die Höhe recken oder einfach nur ein mitleidiges Lächeln hervor zaubern, wenn es denn doch einmal regnen sollte, der Platz im Auto aber doch nicht ausreicht. Ganz lustige Zeitgenossen fahren schon einmal durch die größte Pfütze, die sich finden lässt oder spielen ein altbekanntes Katz- und Mausspiel: ich halte an, aber wenn der Tramper neben dem Auto steht, fahre ich schnell weiter.

Seitdem ich vor sieben Jahren zum ersten Mal neben der Fahrbahn mit meinem charmantesten Lächeln ausgeharrt habe, kennt sogar meine Oma Tramper und berichtet mir freudestrahlend, an welchen unmöglichsten Orten sie einige Exemplare erspäht hat. Mitgenommen hat sie noch keinen einzigen. Sie hat eben noch nicht mich per Zufall gesehen und selbst in diesem unwahrscheinlichsten aller Fälle bin ich mir nicht sicher, ob sie anhalten oder einfach nur erschrocken weiter fahren würde.

Neuseeland gilt allgemein als Paradies für Tramper, auch wenn im Abstand von einigen Jahren der eine oder andere Hitchhiker tot im Unterholz gefunden wurde. Zur Zeit stehe ich trotz dieser Unbill an vielen Orten, an denen ich bereits vor vier Jahren stand: an den Straßenrändern neuseeländischer Straßen. Wenn alles nach meinen Wünschen verläuft, ist hitchhiking wie das Warten auf einen Bus. Ich stehe zehn Minuten, ein Auto hält an, ich steige ein, plaudere ein wenig mit dem Fahrer und steige wieder aus. Wenn es nicht nach Plan läuft, schauen mich manchmal tausende dummer Fratzen aus ihren Autos mitleidig an oder ich lande an einer Strasse, auf der keine Autos mehr fahren.

Natürlich passieren immer wieder recht unterhaltsame oder bizarre Geschichten. Aus diesem Fundus gibt es hier ein paar Beispiele:

Eine Frau, die mich in Frankreich mitnahm, musste zwei Pakete ausliefern. Keine große Angelegenheit, wenn nicht der Empfänger in einem Atomkraftwerk gearbeitet hätte. Während die Frau ihre Pakete zustellte, stand ich in aller Ruhe vor der ersten Sicherheitskontrolle und wurde von vier Sicherheitsbeamten missmutig angestarrt. Es war das bisher einzige Mal, dass ich mich in einem Atomkraftwerk befand.

Der bisherige Geschwindigkeitsrekord liegt bei 240 km/h auf einer Landstrasse.

Ein Mann sammelte mich vor vielen Jahren auf einem Rastplatz in Deutschland auf. Nachdem wir uns eine Weile über Musik unterhalten hatten, war er der Meinung eine andere CD in sein Radio einlegen zu müssen. Da er das gute Stück nicht sofort finden konnte, ließ er bei Tempo 180 auf der Autobahn das Lenkrad los und suchte mit beiden Händen in seinem Türfach nach der CD. Fünfzig Meter weiter fand er sie. Er benutzte später auch beide Hände, um sie einzulegen….

Ein Maori fragte mich einst: “Hast du schon Kinder?” “Nein.” “Oh, ich habe schon neun.”

Die verrückteste Fahrt hatte ich mit einer Freundin in Frankreich und zwei durchgeknallten Herren, die mir wirklich Angst eingejagt haben. Während der Fahrt flogen der Rückspiegel und die beiden Sonnenschützer aus den Fenstern, die Überholmanöver waren halsbrecherisch und jeder zweite Autofahrer wurde von den beiden wüst beschimpft. Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch einmal lebend aus dem Auto herauskommen würde.

Ein kleiner Hund vertrug offenbar nicht die Fahrweise seines Herrchens. Nach einer halben Stunde kotzte er das erste Mal auf den Rücksitz. Der Fahrer liess ein besorgtes “Ooops” aus seinem Mund entgleiten und schaute sich angewidert die Rückbank an. Nach einigem Zögern wischte er das halbverdaute Hundefressen mit einem alten Lappen weg und fuhr weiter. In den nächsten Stunden kotzte der Hund noch zwei mal, es gab zwei mal ein “Ooops” aber die Kotze blieb einfach liegen. Wie kurbelten einfach alle Fenster nach unten.

Den Altersrekord unter den Autos hält immer noch ein 32 Jahre alter Jaguar. Im Fußraum hatten sich kleine Pfützen vom Regen der letzten Tage gebildet und durch die dicksten Rostlöcher konnte ich die Strasse unter mir vorbeigleiten sehen.