Eine Nacht in Chiang Mai

Die Fahrt war eine 14 stündige Erschütterung, bei der der Zug im Rhythmus der rostigen Schienen durch die Landschaft tanzte. Ich war im Hellen in Bangkok losgefahren. Die Fenster des Waggons standen die gesamte Zeit über offen, so roch es abwechselnd nach Feuer oder den Ausdünstungen meines Nachbars. Die Feuer, mit derer die Bauern das alte Reisstroh verbrannten, begleiteten den Zug bis weit über die Dämmerung hinaus. Manchmal zog die Asche durch ein Fenster hinein und durch ein anderes wieder hinaus, graue Schlieren auf meiner Haut hinterlassend.

In Bangkok wucherten Unkraut und Müll um die Wette. Überall Müll! Manchmal schien es, als wenn er selbst die Menschen und ihre armseligen Hütten am Rande der Strecke ausspie. Dann immer nur diese Landschaft: Reisfelder zogen sich bis tief in die Ebene. Dazwischen Öl- und Bananenpalmen, Ananasstauden, Süßkartoffelfelder, Zuckerrohr, Mais und überall Wasser. Im Wasserüberall saß die Welt der Vögel zusammen oder waren Bauern mit ihren für diese Gegend typischen konischen Strohhüten sichtbar. Alles erinnerte mich an alte Antikriegsfilme; in jedem Moment könnte ein amerikanisches Jagdflugzeug die Idylle stören und die Menschen mit seinen Maschinengewehrsalven quer über die Felder jagen. Die Dunkelheit schluckte die Landschaft und bis Chiang Mai blieb nur das klack klack klack klack, verursacht durch das Zusammenspiel von Zug und Schiene.

Auf dem nächtlichen Bahnhof angekommen, stiegen die Menschen mit all ihren Habseligkeiten aus dem Zug und wurden sofort von anderen umringt: Verwandte, Freunde, Polizisten, Verkäufer, Taxifahrer oder einfach nur neugierige Zuschauer. Nicht lange und eine Frau mit Warze und Chihuahua sprach mich an. Sie besäße ein Hotel in guter Lage und mit günstigen Zimmern. Für mich allemal bezahlbar. Ich überlegte nicht lange und willigte ein.

Das Zimmer war reudiger als ihr Köter: ein Bett, ein Stuhl und ein Waschbecken mit Spiegel. Eine Tür führte in eine Nasszelle, in der ich mit den lokalen Kakerlakengrößen gemeinsam hätte planschen können. Bezahlbar ja, aber Scheiße noch mal, es sah aus wie im Knast.

Im Zimmer war es stickig heiß und der Ventilator ließ nur ein laues Lüftchen vom Stapel. Ich war hundemüde und weder in der Lage noch in der Stimmung mich über irgendetwas aufzuregen, oder auch nur meinen kleinen Finger zu bewegen. Nackt schwitzte ich im Bett und deckte das Laken mit meinem Schweiß ein.

Hin und hergetrieben zwischen Müdigkeit und Hitze, dämmerte ich unruhig vor mich hin. In einem Nachbarzimmer schienen mehrere Waschmaschinen zu laufen. Ich erinnerte mich an eine Geschichte über die chinesische Mafia. Angeblich ließ sie ermordete Verräter so lange in großen Waschbottichen mit ätzender Lauge liegen, bis nur noch die hellen Knochen und Zähne erkennbar waren. Erschreckt von meinen eigenen Gedanken schreckte ich auf und fasste mir benommen an die Schläfen. Unruhig ging ich auf den Flur und versuchte die Tür zum Nachbarzimmer zu öffnen. Sie war verschlossen. Noch zwei weitere Türen waren versperrt. Erst bei der vierten bewegte sich der Knauf und die Tür schwang in ihren Angeln langsam in den Raum hinein.

Drei Frauen, alle unbestimmbaren Alters, warfen aus dunkelblauen Jutesäcken erschlagene Hunde und Katzen in große Waschmaschinen. Mit Lauge wurde ihnen Fell und Haut von den Knochen geätzt. Langsam drehten sich die Trommeln und warfen die feuchten Tierkadaver wild durcheinander. Mein ganzer Körper begann zu kribbeln und Angst stieg in mir auf. Ungeachtet meiner Anwesenheit, trug eine der Frauen einen Korb voll gebleichter Knochen an mir vorbei in den Flur und betrat ein anderes Zimmer. In einer langen Reihe aufgereiht, spitzten ein Dutzend Männer die Knochen zu Zahnstochern. Eine Seite spitz die andere Stumpf. Das Spitzen verursachte ein schabendes Geräusch, wie Krallen auf Beton.

Taummelnd wich ich zurück. Mit einer Hand, bestehend aus angespitzten Knochen, öffnete ich meine Zimmertür. Getrieben zwischen Müdigkeit und Wahnsinn folgte ich der Drehung des Ventilators. Mal schlief ich, mal ätzte man mir die Haut von den Knochen. Doch das nur ein einziges Mal, in einer Nacht in Chiang Mai.

 

Roadmovie

Wer sich entschliesst, ein paar Tage in Bangkok zu bleiben, kann auf einer Skala vom „Millenium Hilton“, untergebracht in einem weiss-glaenzenden 40 stoeckigen Hochhaus direkt am Fluss, bis zu einem Guesthouse in irgendeinem beliebigen Hinterhof waehlen.

Aus Gruenden, die heute nicht mehr nachvollziehbar sind oder die nie jemand kannte, wackeln beinahe alle Rucksacktouristen wie die Laemmer zum Schlachter schnurstraks in die Khao San Rd. Es gibt Menschen, die mit einem Funkeln in den Augen ueber diese Strasse berichten. Andere zucken einfach nur mit den Achseln oder drehen sich mit einem leicht angewiderten Gesichtsausdruck weg. Grund genug, sich die Sachlage einmal aus naeherer Perspektive anzusehen.

Ehrlich gesagt, habe ich erst nach vier Tagen gemerkt, dass ich bei meiner Ankunft irrtuemlich den falschen Strassenzug zur Khao San Rd. auserkohren habe. Hinterher war ich wiederum der Meinung, dass es mir schon vorher haette auffallen muessen. Aus zwei Gruenden: Zwar ist die Konzentration an Auslaendern im ganzen Viertel vergleichsweise hoch, doch vor allem Nachts sieht die Khao San Rd. einem ostdeutschen Allerweltsmarkt verblueffend aehnlich. Auf der Strasse tummelt sich das „weisse Volk“, bestehend aus Amerikanern, Europaeern und Australieren. Drumherum stehen die Thais und versuchen im Austausch gegen ein paar Baat, Verschiedenstes an Frau und Mann zu bringen. Der zweite Grund warum es mir haette auffallen muessen ist der schlechte Eindruck, den die ganze Szenerie bietet. Orte an denen sich viele Touristen tummeln sind nicht per se schlecht oder meidenswert. Es kommt immer auf das dargebrachte Verhalten an. In der Khao San Rd. entwickelt sich eine Art Assi- Tourismus, das Mallorca- Syndrom greift um sich und scheint den Rest langsam zu verschlucken.

Schaut man von einem der beiden Enden in die Strassenschlucht hinein, sieht man eine langgezogene Ansammlung von Menschen durch die sich Mofas und Autos hindurchzwaengen. Die Gehwege sind ausgefuellt mit Verkaufsstellen aller Couleur. Erleuchtet wird dies alles von, im Rhythmus des Laermes vibrierenden, Reklametafeln. Nicht das Bangkok schon laut genug waere, wird die Kakophonie dieser Strasse durch den Krach unzaehliger Boxen noch einmal um das Zehnfache verstaerkt.

An der Ecke Chakraphong Rd. und Khao San Rd. steht mein persoenlicher Liebling- der Krautrocker. Der Krautrocker ist ein Herr im fortgeschrittenen Alter, dem beinahe saemtliche Schneidezaehne fehlen und dessen zunehmend breiter werdende Stirn ein Schweissband ziert. Im Schlepptau hat er einen kleinen Handwagen, auf dem Boxen und ein Verstaerker untergebracht sind. Waehrend die Menschenmassen unbeteiligt an ihm vorbeiziehen, haut der Krautrocker wild in die Saiten seiner E-Gitarre, laechelt sein beinahe zahnlosese Laecheln und bruellt der Meute unverstaendliche Wortfetzen entgegen. Fuer mich der einzige normale Mensch weit und breit. Denn ruhig bleiben kann man hier nicht mehr.

Ein paar Schritte weiter beginnt das Schauspiel der Khao San Rd. Mehr als 50 Meter muss man nicht in das Getuemmel eintauchen; der Rest ist blosse Wiederholung. An den Strassenstaenden werden in einem fort T-Shirts, Hosen, Sarongs, Flip Flops, Taschen und Taeschchen und allerlei Mitbringsel aus Holz feilgeboten. Die Motive der T-Shirts variieren anscheinend je nach Tageszeit. Vor allem in den spaeteren Abendstunden werden die alten Verkaufsschlager Bob Marley und Kurt Cobain gerne hervorgegramt. Dumm und Duemmer alias Busch und W. Busch sind ein ebenso beliebtes Motiv.

In ihrer Absicht ein gutes Geschaeft mit den Touristen zu machen, entstehen zwischen Einheimischen und Auslaendern die bizarrsten Wechselwirkungen. T-Shirts mit „Abi 2006“ Schriftzuegen sind da noch die harmloseste Variante. In einem Artikel der „Zeit“ lass ich einmal vom Pancak- Trail. Ueberall, wo Rucksacktouristen in groesserer Zahl auftreten, gibt es Pancaks. Die Touristen folgen den Pancaks und diese wiederum den Touristen. Auch auf der Khao San Rd. werden sie alle 30 Meter angeboten. Erst heute Morgen habe ich eine Frau gesehen, die ueber einem Grill riesige Toastscheiben roestete, mit Butter bestrich und je nach Wunsch mit einer unterschiedlichen Sorte Marmelade bestrich. Ich bin der Meinung, dass es die Thais bei einigen Dingen schaffen das Orginal nicht nur zu kopieren, sondern auch besser zu machen. Der Toast sah verdammt lecker aus.

Schliesslich und endlich haben die Thais eine Eigenschaft der „Westler“ entdeckt, die schier unerschoepflich ist. Ihre Sucht nach Alkohol. Irische Pubs schiessen wie Pilze aus dem Boden. Bei einem Heinicken oder Chang Bier tauschen sich die Touristen von Welt ueber ihre vergangenen und zukuenftigen Reiseziele aus. Alleinreisende warten bis ein anderer Lonesome Cowboy vorbeischaut, um anschliessend gemeinsam im Lonely Planet zu stoebern. Ueber die Strasse turteln zierliche Thaifrauen, die auf den naechsten Cocktailstand am Strassenrand hinweisen. Extra Strong seien die Drinks und der Bucket (ein Gemisch aus Cola, Whisky, Red Bull serviert in einen zwei Liter Eimer mit Strohhalmen) koste nur 200 Baat. Das es allen gut schmeckt, laesst eine Herde junger und ausgelassener Prols die ganze Strasse wissen. Sie schreien sich fast die Kehle aus dem Hals. Kein Wunder wenn nebenan schon eine ebenso gut gelaute Meute sitzt und nur in ein paar Metern Entfernung der reudigste Technobeat aus Boxen schallt, die ihre besten Zeiten laengst hinter sich haben.

Wer die ruhige Perspektive bevorzugt, laesst sich Zoepfe oder Rasten flechten oder ein Tattoo als Urlaubsmitbringsel stechen. Zwielichtige Gestalten verteilen Ansichtskarten der besten Nutten der Stadt und irgendwo lacht jemand sein dreckiges Lachen. Wer nicht mag oder will, steigt in ein Tuk Tuk, fuehlt sich nicht dazugehoerig, faehrt in einen andere Strasse und wird Teil eines anderen Wahnsinns.

Reiseroute

Leipzig (12.11.) Stuttgart (12.11.) Frankfurt/Main (13.11.) Bangkok (14.11.) Trat (18.11) Ko Chang (19.11.) Bangkok (23.11.)


Das Wetter, das Essen und die Leute

Es gibt Themen ueber die im Zusammenhang mit Urlaub immer wieder gerne berichtet wird. Meistens handelt e sich dabei um „Die Leute“, „Das Wetter“, und „Das Essen“. Alles Dinge mit denen der Urlauber direkt konfrontiert wird. Auf Postkarten mutieren die Einheimischen immer zu fuerchterlich netten Zeitgenossen, die selbst bei den miesesten Abzocken nicht ihre guten Manieren vergessen. Ein sicherlich etwas anderes Bild zu diesem Thema, koennten Entfuehrte, Gekidnappte und Ermordete beitragen. Nur huellen sich vor allem Letztere grundsaetzlich in tiefes Schweigen.

„Das Wetter“, wenn es denn tatsaechlich das eine bestimmte Wetter gibt, ist ebenfalls eine Geschichte fuer sich. Im Grunde fahren drei viertel aller Deutschen des Wetters wegen in Urlaub. Und da es sich bei einem Grossteil um Sparbuchfanatiker und nicht um Boersenspekulanten handelt, wird der Sonnenschein schon im Voraus gebucht. Irland ist ein schoenes Land, aber so unbestaendig! Das die Sahara noch nicht mit Mallorca gleichgezogen ist, liegt nur an der Breite der Sandstraende. Oder einfacher ausgedrueckt, an der Ungleichverteilung zwischen Wasser und Sand als solchem. Mit der Sonne gaebe es zumindestens keine Probleme.

Bleibt noch das Essen. Ein heisses Thema. Hier haben es die Deutschen nicht einfach. Gefangen zwischen den kulinarischen Goettern aus Frankreich und den Fish and Chips Neurotikern von der Insel, steht unser Land ein wenig zwischen den Stuehlen. Die Entscheidung wem mehr zu trauen sei, Wolfgang Siebeck oder der lokalen Doener-Groesse, ist noch lange nicht entschieden. Vielleicht verharren deutsche Urlauber deshalb so oft beim Traditionellen- da weiss jeder was er hat. Oder hofft es bis das Bestellte gbracht wird. In Thailand ist diese Vorgehensweise nicht nur unmoeglich (Sauerkraut gibts nicht, Bier ist vergleichsweise teuer und nicht aus Deutschland. Und spaetestens nach dem Genuss des ersten Kaffees weiss jeder was ich meine. ) Zudem ist diese Einstellung auch fuerchterlich daemlich. Man verpasst schlicht und ergreifend viel zu viel. Obwohl selbst ich zugeben muss, dass der rein optische Genuss von einigen dargebotenen Speisen, durchaus ein leichtes Kribbeln am Gaumenzaepfchen zuruecklaesst. Deshalb sollte man langsam beginnen und zuerst einmal Sachen probieren, die man kennt. Wirklich kennt! Die Gerichte die man glaubt zu kennen aber noch nie wirklich im Mund hatte, bergen oft das groesste Ueberraschungspotenzial. Ich habe mir erst gestern wieder fritierte Tunfischringe gegoennt, wobei ich mir nach einigem Kauen nicht sicher war, ob der Verkaeufer nicht zum Walhoden gegriffen hat. Im naechsten Schritt kann man sich an Gerichte wagen, die man noch zu erkennen glaubt oder deren Geschmacksrichtung und Konsistenz sich ungefaehr erraten lassen. Wie zum Beispiel tausende Sorten Nudeln, Fleischspiesse, exotisch klingende und glibbrig aussehende Obssorten, Sushi, gegrillte Bananen, Reis eingewickelt und Reis mit Fisch….. Wer sich bis hier hin ohne Magenkolik durchgeschlagen hat, kann sich nun an die etwas ausgefalleneren Dinge wagen. Dafuer ist der chinesische Markt in Bangkok ueberaus geeignet. Hier gibt es gegrilltes, gekochtes, gegaartes, fritiertes, geduenstetes und gemahlenes Allerlei, bei dem mir zumindest oft die Phantasie fehlt, Herkunft und Geschmack sinnvoll zu klaeren. Viele Tiere, die hier als Grundlage dienten, kennen wir nur noch von der Roten Liste bedrohter Tierarten.

Bleibt als letztes noch die Frage zu klaeren, wie ich zu diesen drei Themen stehe. Nee, das erzaehle ich jetzt nicht mehr. Aber vielleicht auf der naechsten Postkarte, wenn es wieder heisst Leute gut, wetter gut, Essen gut- einfach alles gut.

Reiseroute

Leipzig (12.11.) Stuttgart (12.11.) Frankfurt/Main (13.11.) Bangkok (14.11.) Trat (18.11) Ko Chang (19.11.)


Bangkok Highnoon

Wieder einmal stellt sich mir die Frage, was der geneigte Leser dieser illustren Berichterstattung denn nun eigentlich lesen möchte. Allgemeines Befinden (es ist vergleichsweise warm was dazu führt, dass meine Sachen ein inniges Verhältnis mit meinen Körperporen führen), annekdotenhaftes (auf der Toilette von Bangkok International Airport lief in voller Lautstarke ein Oratorium von Bach) oder meinem Metier entsprechend geographisches (Bangkok, die größte Stadt des Landes, liegt auf einem alten Schwemmkegel des Mae Nam Chao Phraya River. Der Untergrund besteht aus fluvialen Sedimenten, die sich im Falle eines Erdbebens wie Wackelpudding verhalten.)

Ich möchte viel lieber von dem „Voll Krass!“ oder dem „Mam, look at This!“ berichten. Ja, als ein Tourist unter Touristen ist es immer besonders angenehm, seine eigenen Landsleute oder Abkömmlinge des westlichen Kulturkreises in ihren täglichen Gebaren, ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen. Erst gestern wurde ein deutsches Pärchen mittleren Alters Zeuge eines unglaublichen Vorfalls. Drei einheimische Kinder wagten sich doch tatsächlich in die leicht bräunlichen Fluten des Mae Nam Chao Phraya River. Als das Pärchen den ersten Schock überwunden hatte, schienen sie sich dagegen zu stemmen, sich vorzustellen, was wohl noch alles außer den Kindern im Wasser lauern könnte. Von Cholera- und Ruhrbakterien einmal abgesehen. Diesen beiden Phasen, ungläubiges Entsetzen und die Abwehr der eigenen Phantasie, folgte wie im Bilderbuch die Kamera. Schließlich bedarf es immer eines Beweisfotos. Ich habe mir verkniffen, beide mit einer meiner Erfahrungen vertraut zu machen. Schließlich sah ich im französischen La Hague Badegäste mit Wonne in den durch strahlende Abwässer aus der nahen Wiederaufbereitungsanlage verseuchten Atlantik sorglos ihre Bahnen ziehen.

Einem weiteren denkwürdigen Ereignis konnte ich heute auf dem chinesischen Markt beiwohnen. Der Zufall wollte es, dass ein Wonneproppen von Kind (britischer oder amerikanischer Abstammung, ich weiss es nicht genau) live der Schlachtung eines Huhnes beiwohnen konnte. Wobei die Schlachtung lediglich das saubere Abtrennen des Huhnkopfs beinhaltete. Der Kleine war davon so schockiert, dass er nach einer kurzen Atempause wie am Spieß zu brüllen anfing. Seine Eltern probierten ihn noch zu beruhigen. Es half alles nichts. Nur die dichten Menschenmassen hinderten ihn an einer halsbrecherischen Flucht. Ich hätte ihnen gerne den nächsten McDonalds empfohlen, schließlich werden die Schweine und Rinder die dort in der Pfanne landen, ja nicht mehr geschlachtet sondern gekeult. Leider wurde die Keule aus Rationalisierungsgründen bereits abgeschafft und durch einen sauberen Elektroschocker ersetzt. Manchmal frage ich mich, ob der Unterschied zwischen diesem Kulturkreis und dem Unsrigen nur darin besteht, dass wir gar nicht so gerne über den wahren Hergang der Dinge informiert sein möchten. So lange der schöne Schein gewahrt bleibt. Aber das nur eine Theorie am Rande.